Manchmal ist es schwer der Vergangenheit den Rücken zuzukehren, andererseits prägt sie einen auf seinem weiteren Leben. Und so hat sie es auch mit Grace getan. In ihrer Vergangenheit lief nicht alles glatt, es lagen Steine im Weg die sie versucht hat wegzuschieben, ihr wurden Hände gereicht die sie abgelehnt hat, sie dachte sie wäre verliebt in einen Jungen, der sie niedermachte, sie erdrückte, sie verletzte. Schlussendlich hatte sie genug, sie hat sich von ihm endlich abgeschachtelt, trotz dem hat er Spuren in ihr hinterlassen, genau die Spuren die jetzt andere Menschen zu spüren bekommen. Spuren die ihr Leben schwerer machen. Die Rede ist nicht von Alltagsstress in der Schule, Freundeskreis oder Familiär, nein, es geht um Liebe. Heutzutage hat das Wort an Wert verloren, umso mehr Menschen verkaufen sich unter Wert. Sie hat versucht sich in irgendwelche x-beliebigen Männern zu verlieben, hat sich eingeredet, der und kein Anderer. Sie wollte wissen ob sie noch lieben kann, aber eigentlich hat sie es sich nur eingeredet den Menschen zu lieben, sie hat Zuneigung, Vertrauen und Ehrlichkeit gesucht - aber nie gefunden. Es kam nie soweit, das sie sich ein zweites Mal mit den Jungen getroffen hatte, wieso? - Ganz einfach, sie wollte nicht verletzen. Hört sich ziemlich abgedroschen an, oder? Für Grace fühlt es sich normal an. Normal, was ist heutzutage noch normal. In ihren Augen, rein gar nichts. Und das bewies sie sich ein weiteres Mal:
Es passierte auf einem Geburtstag, um genauer zu sein, es war der Geburtstag eines sehr guten Freundes. Sie kam, sie sah. Sie ging, sie vergaß. Sie hatte nicht weiter über ihn nachgedacht, kein weiteren Gedanken über ihn verschwendet, sie fühlte sich unwohl in ihrer Haut, wollte sofort wieder abhauen, doch konnte sie es dem Geburtstagskind nicht antun. Also blieb sie noch eine Weile, bis die endlich die Chance Ergriff, und ins Auto eines Gastes einstieg. Zuvor musste aber noch eines abgeschlossen werden. Er. Sie ging in die Küche, verabschiedete sich bei allen mit Händedruck, er war der Letzte und sie schaute ihm tief in die Augen. Am liebsten hätte sie seine Hand nie wieder losgelassen, aber es war Zeit, also ging sie hinaus und stieg in den Wagen.
Übrigens, sein Name war Lucas, spielt aber keine wichtige Rolle, dachte sie, dachte sie damals.
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Ungefähr, 3 Monate später schrieb sie ihn aus eigener Initiative an, ohne sich Gedanken darüber zu machen wie es weiter gehen könnte wenn sie dies tut. Sie schrieben, und schrieben irgendwann ging es soweit das sie Telefonnummern austauschten. Grace dachte sich: "Lass ihn nie so nah an dich heran das er dich in der Hand hat." Sie telefonierten stundenlang, es fühlte sich so vertraut an, die Unterhaltungen, als hätten sie sich schon etliche Jahre gekannt. Grace lachte endlich mal wieder aus dem Herzen heraus, auch wenn ihr Herz in ihrem Kopf steckte und ihr Kopf im Sand, sie vergaß alles um sich herum. Sie wünschte sich, er würde neben ihr liegen, sie berühren, sie im Arm halten, ihre Tränen trocknen die ihr in diesen Minuten über die Wange liefen. Da sie wusste, dazu würde es nie kommen, sie würde die Notbremse ziehen, ihre Gefühle verstecken, nie offenbaren. Sie hat Angst, und diese Angst ist berechtigt. Kommt darauf aus welcher Sicht man dies betrachtet, er hatte sie verstanden, nicht nur verstanden sondern hatte sie das Gefühl, das er es wirklich tat. Er merkte nie, nie merkte er das sie weinte, wenn sie lachte, schon nach dem ersten Telefonat wusste sie, er ist anders, besser irgendwie. Oder redete sie sich ein weiteres Mal ein? Wie die paar mal davor, als sie dachte sie wäre verliebt, war schließlich doch nur verliebt darin verliebt zu sein? Sie konnte es sich nicht erklären, umso öfter sie telefonierten, umso besser sie ihn kennen lernte, stellte sie sich umso öfter die Frage was zugleich eine Antwort war. Er hat das nicht verdient. Sie lag Nachts stundenlang wach, und grübelte darüber nach, wie es weiter gehen sollte, bis zu dem Tag, der die ganze Situation veränderte. Er fing an, die Initiative zu ergreifen und fuhr los, ohne das sie es wusste. Sie hatte sich Tage davor geschworen, es nicht mehr zu einem Treffen kommen zu lassen? Wieso? - Vor Angst, vor Angst verletzt zu werden, enttäuscht, gedemütigt oder dergleichen. Er meinte, er würde nie einem Mädchen hinterher rennen. Doch tat er dies in diesen Minuten. War er sich dem bewusst? War sie etwas besonderes weil er dies tat? Sie fühlte sich nicht so, sie fühlte sich abstoßend und beschissen. Denn sie hatte ihn draußen stehen lassen, einfach so, obwohl er kämpfte, anstatt raus zu rennen, blieb sie in ihrem Zimmer, obwohl er nur 100 Meter entfernt stand. Sie konnte es sich selbst nicht erklären, es stieg ihr zu Kopf und sie wollte nur noch das er verschwindet. Sie wollte nicht das er um sie kämpft, er würde sich nur die Finger schmutzig machen, dachte sie ..
Er hatte ihr Leben in dieser Woche mehr bereichert, wie es zuvor kein Junge geschafft hatte. Sie hat viel von ihm verlangt, und zu wenig gegeben, es war mehr als nur ein Spiel, er war keiner der x-beliebigen, schon damals nicht, als sie ihm die Hand entgegen streckte und fortging, so wie sie es auch dies es mal tat, .. nur das er ging, und sie zurück blieb.
